Syrien

Reisetipps Syrien: Eine Reise zwischen Weltkulturerbe und Ruinen

Syrien im Jahr 2022 zu bereisen, war eine Entscheidung, die viele Fragen aufgeworfen hat. Was wir vor Ort erlebten, war eine Achterbahnfahrt der Emotionen: Unfassbare Gastfreundschaft im ganzen Land, Gänsehaut in Palmyra und eine Zerstörung in Homs, die uns schlichtweg die Sprache verschlagen hat. In diesem Guide teilen wir unsere persönlichen Erfahrungen einer Reise, die alles verändert hat.

Wichtig: Wir waren 2022 vor Ort, als das Land noch unter dem Assad-Regime stand. Seit dem Sturz der Regierung hat sich die Lage massiv verändert. Dieser Guide dient als Einblick in unsere damaligen Erlebnisse in einem Land, das trotz tiefer Narben eine unglaubliche Energie besitzt.

via Beirut
Anreise
700€ + Flug
Kosten
7 Tage
Dauer

Die Route durch Syrien: Einmal quer durch die Geschichte

Da Individualreisen ohne Begleitung 2022 nicht möglich waren, haben wir uns für eine organisierte Tour ab Beirut entschieden. Die Route war intensiv und führte uns von der ältesten durchgehend bewohnten Stadt der Welt bis hin zu den Geistervierteln von Homs und den antiken Theatern im Süden.

Unsere Route für eine Woche Syrien:
Damaskus → Maaloula → Palmyra → Krak des Chevaliers → Homs → Aleppo → Hama → Busra

Logistisch war der Trip dank unseres lokalen Teams (Golden Team Syria) absolut reibungslos. Wir wurden in Beirut abgeholt, durch alle Checkpoints geschleust und am Ende wieder sicher zurückgebracht. Syrien hat uns mental gefordert – vor allem durch das Ausmaß der Zerstörung direkt neben der unglaublichen Gastfreundschaft der Menschen vor Ort.

syrien

Regionen in Syrien: Zwischen Aufbruch und Ruinen

Syrien ist ein Land der extremen Gegensätze, das weit mehr zu bieten hat als die Schlagzeilen vermuten lassen. Die Regionen unterscheiden sich drastisch: Während Damaskus und die Küste eine fast surreale Normalität ausstrahlen, sind die Spuren des Krieges in Zentralsyrien und im Norden allgegenwärtig. Von den christlichen Bergdörfern bis hin zu den Wüstenruinen zeigt jede Region ein anderes Gesicht dieses geschundenen, aber faszinierenden Landes.

Aleppo

Aleppo war einst das wirtschaftliche Zentrum und ist heute das Mahnmal des Konflikts. Während die Zitadelle thronend über der Stadt steht, sind die umliegenden Souks und Wohnviertel teilweise komplett zerstört. Ein Besuch hier ist schwer zu verdauen, aber essentiell, um das Ausmaß der Geschichte Syriens zu verstehen.

Palmyra

Palmyra

Mitten in der syrischen Wüste liegen die Überreste einer der bedeutendsten antiken Metropolen der Welt. Palmyra ist ein Ort voller Magie und gleichzeitig tiefer Trauer, da die jüngste Geschichte hier dunkle Schatten hinterlassen hat. Die Stille zwischen den korinthischen Säulen und dem Amphitheater ist absolut einmalig.

maaloula

Maaloula

In den schroffen Felsen des Qalamun-Gebirges liegt das Dorf Maaloula, einer der wenigen Orte weltweit, an denen noch Aramäisch – die Sprache Jesu – gesprochen wird. Das Dorf mit seinen uralten Klöstern wirkt wie aus einer anderen Zeit und bietet eine fast friedliche Abgeschiedenheit vom Rest des Landes.

Was kostet eine Reise nach Syrien?

Das Budget für Syrien lässt sich nicht mit anderen Reiseländern vergleichen. Da eine individuelle Reise ohne offiziellen Guide und Genehmigungen im Jahr 2022 nicht möglich war, fallen die klassischen Einzelkosten für Transport oder Hotels weg. Man bucht stattdessen ein Komplettpaket. Hinzu kommt die extreme Inflation und ein kollabiertes Bankensystem, das den Umgang mit Geld vor Ort völlig auf den Kopf stellt.

Wir haben für unsere einwöchige Tour über das Golden Team Syria ca. 700 € pro Person bezahlt. Darin war absolut alles Wichtige enthalten: Das Visum-Handling, die Einholung aller Sicherheitsgenehmigungen, ein privater Fahrer, unser Guide, sämtliche Hotels inklusive Frühstück und der Transport ab/bis Beirut im Libanon.

In Syrien funktionieren keine internationalen Kreditkarten und es gibt keine nutzbaren Geldautomaten für Touristen. Das gesamte Land funktioniert auf Bargeldbasis. Aufgrund der absurden Inflation (der offizielle Wechselkurs unterscheidet sich massiv vom Straßenkurs) solltet ihr ausreichend US-Dollar oder Euro in bar mitbringen. Wir wurden angewiesen, selbst kein Geld zu wechseln.

Die Kosten vor Ort sind für uns extrem niedrig. Unsere Guides haben für Mittag- und Abendessen (oft riesige Platten voller Mezze), Snacks, Wasser und Eintritte während der gesamten Woche alles vorgestreckt. Am Ende der Reise haben wir dafür unfassbare 35 € pro Person bezahlt.

Ein wichtiger Posten, den ihr einplanen solltet. Die Menschen vor Ort leiden extrem unter der wirtschaftlichen Situation. Euer Guide, der Fahrer und das Hotelpersonal freuen sich über Trinkgelder in harter Währung (USD oder Euro), da diese nicht sofort durch die Inflation entwertet werden.

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Praktische Reisetipps & beste Reisezeit für Syrien

Eine gute Vorbereitung ist wichtig – aber in Indonesien ist Flexibilität oft noch wichtiger. Hier findest du unsere wichtigsten Indonesien Reisetipps zu Geld, Internet und Sicherheit sowie die ungeschönte Wahrheit über die beste Reisezeit. Denn: Wir mussten unseren Traum von Karimunjawa begraben, weil das Wetter uns einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Damit dir das nicht passiert (oder du zumindest einen Plan B hast), hier unsere Erfahrungen für Java und Bali.

Praktische Reisetipps für Syrien

Syrien funktioniert nach völlig eigenen Regeln. Hier sind unsere echten Erfahrungen aus dem Jahr 2022.

  • Einreise (Libanon-Grenze): Lief bei uns abends absolut entspannt ab. Unser Fahrer hat die Einreisekarten ausgefüllt, wir sind einfach mit den Pässen durchspaziert.
  • Internet: Vergiss eSIMs! Wir haben von unseren Guides lokale SIM-Karten geliehen bekommen (die wir am Ende brav zurückgeben mussten). Das Netz war erstaunlich gut.
  • Fotografieren: An Checkpoints haben wir die Kamera zur Sicherheit stecken lassen. Zerstörte Gebäude zu knipsen war aber kein Problem – in Aleppo haben uns sogar Soldaten nach Selfies gefragt!
  • Kleidung: Überraschend liberal! In Damaskus sieht man einheimische Frauen ohne Kopftuch und mit Tattoos. In Aleppo ist es konservativer. Strenger Dresscode gilt nur in den Moscheen.

Beste Reisezeit für Syrien

Das Klima in Syrien ist mediterran an der Küste, aber extrem trocken und heiß im Landesinneren (Wüste).

  • Herbst (September – November): Unsere Reisezeit. Im September war es teilweise noch richtig heiß (besonders in der Wüste von Palmyra!), aber mit kurzen Sachen absolut machbar.
  • Frühling (März – Mai): Neben dem Herbst die beste Wahl. Angenehme Temperaturen für lange Tage in den Ruinenstädten, bevor die extreme Sommerhitze zuschlägt.
  • Sommer & Winter: Im Hochsommer (Juli/August) brennt die Sonne in der Wüste gnadenlos. Der Winter kann in den Bergen (wie am Krak des Chevaliers) überraschend nass und kalt werden.

Unser Learning: Packt für den September definitiv noch Sommerkleidung ein, aber seid für die Moscheebesuche darauf vorbereitet, dass ihr euch vor Ort kurz in ein Gewand werfen müsst!

Deine Reise durch Asien geht weiter: Entdecke unsere weiteren Ziele

Asien ist zu gewaltig für nur eine Reise. Wenn du nach deinem Abenteuer in diesem Land noch tiefer in den größten Kontinent der Erde eintauchen willst, findest du hier unsere weiteren Guides. Von versteckten Naturwundern über pulsierende Metropolen bis hin zu Orten, die noch echte Geheimtipps sind – lass dich für deinen nächsten Stopp inspirieren.

Häufige Fragen zu einer Reise nach Syrien

Wir können nur für unsere Erfahrung im Jahr 2022 sprechen: Wir haben uns zu keinem Zeitpunkt unsicher oder bedroht gefühlt. Um ehrlich zu sein: Abends am Yachthafen in Beirut (Libanon) war mir unwohler als in einer ganzen Woche Syrien. Man wird als Tourist sehr beschützt.

Nein, Backpacking auf eigene Faust war 2022 schlichtweg unmöglich. Man brauchte zwingend eine zertifizierte lokale Agentur (in unserem Fall das Golden Team Syria), die die komplette Route anmeldet, einen Guide stellt und alle behördlichen Papiere vorab klärt.

Länder im Nahen Osten sind oft extrem mit Vorurteilen behaftet. Ja, in Syrien sind furchtbare Dinge passiert (Assad, IS, Bürgerkrieg) und völlig zurecht sind viele Menschen von dort geflohen. Aber unsere Erfahrung vor Ort war eine andere: Die Einheimischen haben sich unfassbar gefreut, uns zu sehen. Sie wollen zeigen, dass ihr Land mehr ist als nur Krieg und Zerstörung. Wir wurden oft spontan privat zum Essen nach Hause eingeladen! Wer nicht auf reinen „Chaostourismus“ aus ist, findet hier die Wiege der Menschheit (Mesopotamien), mit Aleppo die älteste durchgehend bewohnte Stadt der Welt und – unserer Meinung nach – die bisher beste Küche überhaupt.

Das war das Entspannteste an der ganzen Tour. Unsere Agentur hat vorab die sogenannte „Security Clearance“ (Sicherheitsfreigabe) für uns besorgt. An der Grenze zum Libanon hat unser Fahrer alle Zettel ausgefüllt, wir sind kurz mit dem Pass durchgelaufen und das Visum wurde gestempelt.

Internationale Bankkarten oder Geldautomaten funktionieren wegen der Sanktionen absolut gar nicht. Man muss sein komplettes Budget in bar (US-Dollar oder Euro) mitbringen. Da der offizielle Wechselkurs furchtbar ist, haben unsere Guides alles für uns bezahlt (Stichwort: Schwarzmarkt-Kurs) und wir haben am Ende einfach abgerechnet.

Auf den Überlandfahrten gibt es unzählige Checkpoints, aber die Realität sieht sehr pragmatisch aus: Unser Fahrer hat den Soldaten meist einfach ein paar Scheine in die Hand gedrückt. Da die Wachen ohnehin direkt gesehen haben, dass wir Touristen sind und von uns absolut keine Gefahr ausgeht, konnten wir danach einfach weiterfahren. Es war völlig unkompliziert.

Mit einer Herzlichkeit, die uns völlig überrumpelt hat. Die Syrer haben sich unfassbar gefreut, Ausländer zu sehen. Wir wurden ständig willkommen geheißen, auf der Straße gegrüßt und in Aleppo haben uns sogar syrische Soldaten gefragt, ob sie ein Selfie mit uns machen dürfen.

Der Kontrast zerreißt einen. In Damaskus sitzt du abends in lebendigen Shisha-Cafés und die Welt wirkt normal. Am nächsten Tag fährst du nach Homs oder in Teile von Aleppo und blickst auf kilometerweite, absolute Trümmerlandschaften. Das Ausmaß dieser Geisterviertel hat unsere ganze Gruppe sprachlos gemacht.